Die Nussschale und das Kind
Ich hatte mich gestern dazu entschlossen oder bereiterklärt mit zu den Seehundbänken zu fahren.
Anfänglich war ich noch voller Euphorie. Diese legte sich allerdings schlagartig, als das Schiff mit dem edlen Namen Langeoog I (gepriesen sei das Genie, dass sich diesen edlen Namen hat einfallen lassen) vom Hafen ablegte.
Just in diesem Moment wurde mir bewusst, dass ich ja nun auf dieser Nussschale festsaß und umgeben war von kaltem, dreckigen Wasser. Wasser, wo man nur hinsah. Wäre ich ein Goldfisch, wäre es mir egal aber ich bin froh, wenn ich durch ne Pfütze gehen kann ohne dabei zu ertrinken. Ich habe im Wasser in etwa die Eleganz von nem sterbenden Küken.
Erschwerend kam auch noch hinzu, dass ich unter leicht klaustrophobischen Anfällen leide und der Gedanke mit all diesen Menschen zusammen auf dem großen, offenen Meer zu schippern meiner Mini-Psychose nicht wirklich behilflich war.
Aber was hat man nicht alles für Strategien entwickelt um sich gegen eine aufkeimende Panikattacke zu wehren!
Zuerst kam mir der Gedanke einfach unter Deck zu gehen. Diesen verwarf ich allerdings sofort wieder, da mir bewusst wurde, dass das Schiff unten ja zuerst mit Wasser volllaufen würde. Die Möglichkeit unter Deck seinem Schöpfer entgegen zu treten war um einiges Größer als auf dem Deck.
Dann versuchte ich mich mit dem Gedanken zu trösten, dass ich meinen Hintern auf einer Holzbank verfrachtet hatte, die integriert war in absolute, moderne deutsche Qualitätsarbeit. Wann hört man schon, dass eine deutsche Fähre in der Nordsee untergegangen ist.
Ich war gerade auf dem besten Weg mich und meinen inneren Kosmos in Einklang zu bringen, da ertönte eine nuschelige Stimme aus einem schlechten Lautsprecher und gab unwesentliche Informationen von sich. Bis auf die eine. Die Info, die mein ganzes Bemühen zum Scheitern verurteilte. Diese Nussschale wurde 1968 erbaut. Das war sein ernst! Ich klammerte mich in meiner Phantasie schon an der Rehling und stellte mir vor, wie ich in dem kalten Wasser blaue Lippen bekam und dieses blau natürlich in einem schrecklichen Kontrast zu der orange Rettungsweste stand die tragen musste. Ich wollte nicht hässlich sterben.
Auch diesen Gedanken versuchte ich zu verdrängen. Was mir dabei half war die Aussicht auf baldiges Essen und die Tatsache, dass diese österreicherische Familie neben mir meinen Hassfokus auf sich lenkte.
Vorweg ist zu erwähnen, dass ich nicht wirklich ein Menschenfreund bin und die Tatsache, dass um mich herum schlecht gekleidete Menschen in möchtegern Outdoorklamotten mit einer angeblichen Wolfspranke drauf meine Meinung über unsere Art nicht wirklich steigern kann.
Diese nette österreichische Familie (kam eigentlich schon mal was gutes aus Österreich?????) hatte es geschafft mich mit ihrer bloßen Anwesenheit von meiner Panik zu befreien und gab mir die Gelegenheit mich dem erlösenden Gefühl des Hasses hinzugeben.
Alle vier, wie sie da bei mir standen hatten besagte Klamotten an und sowohl Mutter als auch Vater waren gezeichnet von einer Unreinen Haut, die regelrecht nach einem Peeling mit grobkörnigen Schmirgelpapier verlangte.
Aber ja ich weiß, ich kann nicht von jedem Menschen verlangen, dass er der ästhetischen Körperhygiene nachgeht und mehr tut als sich nur täglich einzuseifen. Aber ich kann verlangen, dass diese Menschen um ihre Unzulänglichkeit wissen und mir nicht auf die Pelle rücken!
Die entzückenden Blagen waren von einem Virus befallen, den ich sehr gerne Verbaldurchfall nennen.
Die haben in einem durch geredet als wenn es keinen morgen gäbe und die Eltern quittierten dies mit Stille.
Intelligente Menschen denkt man sich da eigentlich, ABER nicht wenn man daneben sitzt und den Kack mit hören muss.
„Papili is das Wasser kalt?, Is das Wasser schmutzig?, Fahren wir zu einer Insel?, Gehen wir Spielen?, Darf ich die Tiere streicheln?, Darf ich ins Wasser?, Is das Wasser tief?, Fährt das Schiff zu den Seehunden?, Sind die gefährlich?, Beißen die mich?“ Usw.

Wo is der Blitz der einen trifft, wenn man ihn brauch???

Und dann geschah das vermeintliche Wunder! Ich gehe davon aus, dass es ein Wunder war denn so wie die Mitreisenden sich benahmen war der Anblick der Seehunde unverhofft und wunderbar.
Ich hörte Dinge wie:“ Ohh, da sind ja Seehunde!, Schau mal Seehunde!, NEIN! Da sind ja Seehunde!“
War ich die einzige auf diesem Kutter, die wusste was das Ausflugsziel war??
Und natürlich nervten die Blagen von neben an weiter.
Ich verstehe Eltern nicht, die nicht verstehen, oder nicht mitbekommen, wenn ihre Kinder sich wie angehende Asoziale benehmen. Dieser Rotzlöffel mit Verbaldurchfall hat es geschafft mich eine Viertelstunde zu treten. Ich bin zwar immer wieder ein Stück von ihm weggerutscht aber diese Brut Satans hatte es wohl darauf abgesehen mir zu folgen. Und immer wieder trafen mich die kleinen Füßchen in den ach so tollen Outdoorschuhen.
„Damian“ ließ nicht locker. Er schien wohl mit dem Auftrag aufgestandne zu sein, eine psychisch relativ gesunde, junge Frau zur Kindsmörderin machen zu wollen. Womit ich natürlich sofort mein Ticket to Hell gezogen hätte. Aber ohne mich! Ich entscheide selbst wann ich mein One-Way- Ticket ziehe!
Also ertrug ich es mit einer stoischenRruhe! Was blieb mir auch anderes übrig? Hat schon mal einer erlebt was die Mitmenschen mit einem machen, wenn man ein Kind anschnautzt oder den betreffenden Erzeuger zur Rechenschaft zieht. ÜBELÜBEL!

Nachdem ich dann den Vater ca. 5mal mit einem vernichtenden Blick angesehen hatte, wich er mit dem Scheusal von Kind zurück. Wer die Ruhe hat wird am Ende der Gewinner sein

Was ist nun das Fazit dieses Ausfluges?

1. Ich kann 99% der Menschen nicht leiden!
2. Spiesserkinder gehören auf nen Spieß.
3. Menschen die denken dass Jack Wolfskin cool is, haben ihrer Intelligenz beim Scheißen auf dem Klo gelassen
4. Wenn man eine viertel Stunde getreten wird, egal wie klein die Füßchen sind, beleibt ein blauer Fleck
5. Ich werde nie eine Fahrt auf nem Kreuzfahrtschiff machen können, es sei denn ich will Amok laufen.